Am 15.4.26 war Duisburg mit zwei Fallbeispielen auf der Pressekonferenz zum neuen MIA-Schwerpunktbericht „Antiziganismus und Wohnen“ in Berlin vertreten.

Das erste Fallbeispiel: die Sintiplätze in Ober-Meiderich und Neuenkamp — gewachsene Gemeinschaftsstrukturen und Schutzräume vor Diskriminierung, die die Stadt nie offiziell anerkannt hat. Siegfried Mettbach vom Duisburger Sinti Verein e.V. hat heute auf dem Podium eingefordert, was längst überfällig ist: ein schriftliches Bleiberecht und ein Denkmal für die mehr als 140 Duisburger Sinti, die deportiert wurden, mindestens 39 in Auschwitz ermordet.

Das zweite Fallbeispiel: die Taskforce Problemimmobilien, die seit zehn Jahren regelmäßig Wohnhäuser in Hochfeld und Marxloh räumt — fast ausschließlich bewohnt von rumänischen und bulgarischen Rom:nja. 132 Gebäude, über 3.300 Menschen, davon mehr als 1.200 Kinder. Von diesen Gebäuden wurden nur 23 wieder bewohnt — und nicht von der vorherigen Bewohnerschaft. Vordergründig geht es um Brandschutz. Aber Brandschutz ist nur der Hebel zur Vertreibung, nicht der Anlass. Damit zerstört die Stadt in wenigen Stunden das, was Familien als Lebensgrundlage braucht: Wohnung, Schule, Einkommen, Gesundheitsversorgung, soziales Umfeld — ohne Vorwarnung, ohne Rechtsmittel, ohne Auffangnetz. Das Missbrauchsnarrativ, mit dem die Praxis politisch legitimiert wird, ist empirisch nicht haltbar. Duisburgs Räumungspraxis wird inzwischen zur Blaupause für Bundesgesetzgebung.