


„Die sechs Frauen gründeten im November den Verein «Romani-Forum Duisburg» in Duisburg-Hochfeld. Das Quartier ist für Duisburg das, was die Nordstadt für Dortmund ist. Jeden Montagabend treffen sich die Frauen in den Räumen des Vereins «Die Solidarische Gesellschaft der Vielen». Wenige alte Möbel stehen herum. An der Wand hängt ein Rojava-Plakat. Die Frauen sitzen an einem grossen Tisch, trinken Energydrinks und essen Kuchen, manche haben ihre Kinder mitgebracht, die am Spielen sind. Hier sind sie unter sich: Niemand schaut sie wegen ihrer Herkunft schräg an. Bei ihren Treffen geht es meist um Diskriminierung, Rollenbilder, Arbeit und Kindererziehung. Gedacht ist der Verein als Selbsthilfegruppe und als Ort, um sich nach aussen positionieren zu können. «Wir möchten der Gesellschaft etwas geben. Wir können auch etwas Gutes tun, Menschen helfen, etwa bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Formularen», sagt Amalia. Sie lebt seit siebzehn Jahren in Deutschland, hat keinen Job, ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, eines davon noch ein Baby.
Wenn es eine Hierarchie in der Diskriminierung gibt, dann stehen Rom:nja und Sinti:zze weit oben. Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) stellt in ihrem Jahresbericht für 2024 fest, dass die Diskriminierung gegenüber Sinti:zze und Rom:nja in Deutschland zunehme. Insgesamt wurden 1678 Vorfälle erfasst. 2023 waren es noch 1233 gewesen. Ausgrenzung und Anfeindung gehörten laut der MIA zum Alltag dieser Menschen. Rom:nja und Sinti:zze kommen meist aus dem armen Südosteuropa. Als EU-Bürger:innen geniessen sie seit 2014 die volle Arbeitnehmer:innenfreizügigkeit. Die CSU warnte damals vor einem Zuzug von «Armutsflüchtlingen» in das Sozialsystem.
Seither reissen die Diskussionen nicht ab. Duisburgs Bürgermeister Sören Link (SPD) mischt dabei mit. «Ich hätte gerne das Doppelte an Syrern, wenn ich dafür ein paar Osteuropäer abgeben könnte», sagte er 2015. Genau wegen solcher Diskriminierungen möchten die Gründerinnen des Romani-Forums Duisburg ihre Nachnamen nicht nennen. Nachdem die Lokalpresse über sie berichtet hatte, mussten sie bei einem auf Facebook veröffentlichten Artikel die Kommentarspalte schliessen: zu viele hasserfüllte Beiträge.“
