Stadtteil-Führungen

Angebot auf Anfrage · Duisburg-Hochfeld

Stadtteil-
führungen
Hochfeld

Kein Stadtmarketing. Keine neutrale Besichtigung.
Eine politische Begehung eines Stadtteils, der alles sieht —
Strukturwandel, Verdrängung, Widerstand.

Führung anfragen Themen & Inhalte
„Hochfeld ist kein Problem. Hochfeld ist das Ergebnis von Jahrzehnten politischer Entscheidungen.“ — Leitperspektive der Führungen
Was ist das?

Ein Stadtteil lesen lernen

Hochfeld ist ein Duisburger Arbeiterstadtteil im Wandel — oder genauer: im Druck. Deindustrialisierung, Wohnungsspekulation, Zwangsräumungen, Rassismus, Migration, Prekarität: all das ist hier nicht abstrakt, sondern an jeder Ecke ablesbar.

Die Stadtteilführungen des SGDV e.V. verbinden Ortskenntnis mit politischer Analyse. Geführt von Menschen, die hier arbeiten, forschen und organisieren, nehmen wir euch mit durch einen Stadtteil, den offizielle Stadtentwicklung gerne anders erzählt. Wir zeigen, was hinter den Begriffen steckt: Aufwertung, Problemimmobilie, Internationale Gartenausstellung, Integration — und wessen Interessen sie bedienen.

Die Führungen sind buchbar auf Anfrage — für Seminargruppen, Lehrveranstaltungen, Forschungsreisen, Initiativen und interessierte Öffentlichkeiten.

~40%

der Bewohner*innen Hochfelds haben keine deutsche Staatsbürgerschaft — einer der höchsten Werte in NRW. Gleichzeitig: unterdurchschnittliche Kaufkraft, überdurchschnittliche Mietbelastung.

2021–

Seit 2021 dokumentiert der SGDV e.V. Zwangsräumungen, Wohnungsmissstände und behördliches Versagen in Hochfeld. Nicht als Statistik — als gelebte Realität.

Diese Führungen entstammen keiner touristischen Logik. Sie sind ein Angebot aus der Quartiersarbeit heraus — für alle, die den Stadtteil verstehen wollen, nicht nur besichtigen.
Inhalte

Themen der Führung

Die Führungen haben kein festes Programm, aber einen klaren Kompass. Je nach Gruppe und Schwerpunkt vertiefen wir unterschiedliche Aspekte. Diese Themen bilden den inhaltlichen Kern.

Deindustrialisierung & Strukturwandel

Vom Stahlstandort zur Dienstleistungsgesellschaft — und wer dabei auf der Strecke blieb. Die Geschichte des Ruhrgebiets ist in Hochfelds Bausubstanz eingeschrieben: in Werkhallen, Brachflächen, Zechenkolonien.

Arbeitslosigkeit & Prekarität

Langzeitarbeitslosigkeit, Minijobs, Scheinselbständigkeit, Hartz-IV-Nachfolgesystem: was strukturelle Armut im Alltag bedeutet — und warum „Eigenverantwortung“ keine Antwort darauf ist.

Aufwertung & Verdrängung

Wie Stadtentwicklungspolitik Aufwertung für manche und Verdrängung für andere bedeutet, und welche Akteure dabei profitieren.

Zwangsräumungen & Wohnungsfrage

Dutzende dokumentierte Fälle, systematisches Behördenversagen, Schrottimmobilien als Investitionsmodell. Die „Task Force Problemimmobilie“ — wessen Problem wird hier eigentlich bearbeitet?

Migration & Stadtentwicklung

Hochfeld ist seit den 1960ern Ankunftsort für migrantische Communities. Kontinuitäten, Brüche — und welche Narrative Migration in städtischen Räumen begleiten.

Rassismus & Institutionelle Diskriminierung

Diskriminierung in Stadtplanung, Wohnungsvergabe, Polizeipraxis und Sozialbehörden: wie sie strukturell verankert ist und was das für Betroffene bedeutet.

Antiziganismus

Sinti und Roma in Duisburg: Geschichte, Diskriminierung, Selbstorganisation. In Kooperation mit dem Duisburger Sinti-Verein — Antiziganismus als eigenständige Form des Rassismus.

Task Force & Behördenlogiken

Wer entscheidet, welches Haus eine „Problemimmobilie“ ist? Wessen Interessen stehen hinter städtischen Instrumenten? Analyse behördlicher Praxis am Beispiel Hochfeld.

Widerstand & Solidarische Praxis

Quartiersarbeit, Selbstorganisation, Kultur als politisches Mittel: was es bedeutet, nicht nur zu analysieren, sondern zu handeln — und welche Formen kollektiver Gegenwehr entstehen.

Zielgruppen

Für wen sind die Führungen?

  • Soziale Arbeit & Sozialpädagogik

    Stadtteile nicht nur als Einsatzorte, sondern als politische Räume verstehen. Besonders relevant: Wohnungslosigkeit, Behördenpraxis, Community Work.

  • Stadtforschung & Stadtplanung

    Urban Studies, Stadtgeographie oder Raumplanung — was Theorie am konkreten Ort bedeutet.

  • Geographie & Raumwissenschaften

    Segregation, Raumproduktion, Gentrifizierung, postindustrielle Stadtlandschaften — Hochfeld als Fallstudie für Lehrveranstaltungen und Forschungsexkursionen.

  • Sozial- & Politikwissenschaften

    Wohnungspolitik, Migrationspolitik, Diskriminierungsforschung — der Stadtteil als empirisches Labor für gesellschaftliche Machtstrukturen.

  • Ethnologie & Kulturwissenschaften

    Urbane Ethnographie, Alltagskultur, Minderheitenforschung: Hochfeld als Ort gelebter Diversität und struktureller Ungleichheit.

  • Pädagogik, Lehramt & Schulklassen

    Politische Bildung vor Ort: Was bedeuten Begriffe wie Armut, Migration, Diskriminierung — nicht im Lehrbuch, sondern im Stadtbild?

  • NGOs, Initiativen & Fachöffentlichkeiten

    Für Organisationen, die sich mit Wohnrecht, Migration, Antidiskriminierung oder Stadtentwicklung beschäftigen.

Ein Wort zur Haltung

Wir bieten keine „neutralen“ Stadtführungen an. Neutralität ist eine Fiktion — besonders in einem Stadtteil, in dem täglich über Wohnrecht, Bleiberecht und Würde verhandelt wird.

Unsere Perspektive ist die der Menschen, die hier leben, arbeiten und kämpfen. Das bedeutet, dass wir klar benennen, wer von welchen Verhältnissen profitiert und wer die Kosten trägt.

Akademische Gruppen sind willkommen — aber wir erwarten auch eine Auseinandersetzung damit, welche Rolle Forschung und Lehre in der Reproduktion oder Transformation dieser Verhältnisse spielen.

Wir sind kein Anschauungsobjekt. Wir sind Akteur*innen.

Organisation

Format & Ablauf

Die Führungen sind modular und gruppenspezifisch — kein Standardprogramm. Wir besprechen vorab Schwerpunkte und passen Länge, Tiefe und Sprache an eure Gruppe an.

Dauer

2–3 Stunden

Zu Fuß, mit Pausen. Auf Anfrage auch halbtägige Formate mit Diskussionsblock im ZK Hochfeld möglich.

Erweiterbar
Gruppen

Ab 8 Personen

Geeignet für Seminare, Exkursionen, Forschungsgruppen. Max. ~25 Personen pro Führung.

Auf Anfrage
Sprachen

Deutsch

Englischsprachige Führungen nach Absprache und Verfügbarkeit möglich. Bitte bei Anfrage angeben.

Auch Englisch
Kosten

Soli-Preis

Wer kann, zahlt — wer nicht kann, auch. Aufwandsentschädigung erbeten. Für Hochschulen: faire Vergütung einplanen.

Nach Absprache
Vorbereitung

Lesematerial

Literaturlisten, Hintergrundmaterial und Pressedokumentationen auf Wunsch. Kurzes Vorgespräch zur Abstimmung inklusive.

Auf Anfrage
Nachbereitung

Diskussion

Auf Wunsch moderierte Diskussionsrunde im ZK Hochfeld — mit Vertreter*innen des Vereins oder Kooperationspartner*innen.

Empfohlen
Unser Verständnis

Kein Poverty Tourism.

Stadtteilführungen in sozial belasteten Quartieren tragen ein Risiko: sie können Menschen und Orte zum Anschauungsobjekt machen — zum Ausflugsziel für diejenigen, die danach wieder nach Hause fahren. Das wollen wir nicht.

Deshalb gestalten wir die Führungen als politische Bildungsarbeit, nicht als Sozialreportage. Wir sprechen über Strukturen, nicht über Einzelschicksale. Wir benennen Verantwortlichkeiten, statt Betroffene zu exponieren. Und wir fragen: Was tut ihr damit — in eurer Forschung, eurer Praxis, eurer Organisation?

Buchung & Kontakt

Führung anfragen

Schreibt uns einfach — mit Infos zur Gruppe, zum gewünschten Zeitraum und zu euren inhaltlichen Schwerpunkten. Wir melden uns zeitnah zurück.

Für Lehrveranstaltungen: Wir sind auch offen für längerfristige Kooperationen, zum Beispiel als Praxispartner für Forschungs- oder Lehrforschungsprojekte an Hochschulen.

E-Mail
kontakt@sgdv.org

Betreff: „Stadtteilführung“

Telefon
0163 3675139

Mo–Fr, nach Vereinbarung

Adresse
Zentrum für Kultur Hochfeld
Musfeldstr. 110 · 47053 Duisburg
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