Stadtteil-
führungen
Hochfeld
Kein Stadtmarketing. Keine neutrale Besichtigung.
Eine politische Begehung eines Stadtteils, der alles sieht —
Strukturwandel, Verdrängung, Widerstand.
„Hochfeld ist kein Problem. Hochfeld ist das Ergebnis von Jahrzehnten politischer Entscheidungen.“ — Leitperspektive der Führungen
Ein Stadtteil lesen lernen
Hochfeld ist ein Duisburger Arbeiterstadtteil im Wandel — oder genauer: im Druck. Deindustrialisierung, Wohnungsspekulation, Zwangsräumungen, Rassismus, Migration, Prekarität: all das ist hier nicht abstrakt, sondern an jeder Ecke ablesbar.
Die Stadtteilführungen des SGDV e.V. verbinden Ortskenntnis mit politischer Analyse. Geführt von Menschen, die hier arbeiten, forschen und organisieren, nehmen wir euch mit durch einen Stadtteil, den offizielle Stadtentwicklung gerne anders erzählt. Wir zeigen, was hinter den Begriffen steckt: Aufwertung, Problemimmobilie, Internationale Gartenausstellung, Integration — und wessen Interessen sie bedienen.
Die Führungen sind buchbar auf Anfrage — für Seminargruppen, Lehrveranstaltungen, Forschungsreisen, Initiativen und interessierte Öffentlichkeiten.
der Bewohner*innen Hochfelds haben keine deutsche Staatsbürgerschaft — einer der höchsten Werte in NRW. Gleichzeitig: unterdurchschnittliche Kaufkraft, überdurchschnittliche Mietbelastung.
Seit 2021 dokumentiert der SGDV e.V. Zwangsräumungen, Wohnungsmissstände und behördliches Versagen in Hochfeld. Nicht als Statistik — als gelebte Realität.
Themen der Führung
Die Führungen haben kein festes Programm, aber einen klaren Kompass. Je nach Gruppe und Schwerpunkt vertiefen wir unterschiedliche Aspekte. Diese Themen bilden den inhaltlichen Kern.
Deindustrialisierung & Strukturwandel
Vom Stahlstandort zur Dienstleistungsgesellschaft — und wer dabei auf der Strecke blieb. Die Geschichte des Ruhrgebiets ist in Hochfelds Bausubstanz eingeschrieben: in Werkhallen, Brachflächen, Zechenkolonien.
Arbeitslosigkeit & Prekarität
Langzeitarbeitslosigkeit, Minijobs, Scheinselbständigkeit, Hartz-IV-Nachfolgesystem: was strukturelle Armut im Alltag bedeutet — und warum „Eigenverantwortung“ keine Antwort darauf ist.
Aufwertung & Verdrängung
Wie Stadtentwicklungspolitik Aufwertung für manche und Verdrängung für andere bedeutet, und welche Akteure dabei profitieren.
Zwangsräumungen & Wohnungsfrage
Dutzende dokumentierte Fälle, systematisches Behördenversagen, Schrottimmobilien als Investitionsmodell. Die „Task Force Problemimmobilie“ — wessen Problem wird hier eigentlich bearbeitet?
Migration & Stadtentwicklung
Hochfeld ist seit den 1960ern Ankunftsort für migrantische Communities. Kontinuitäten, Brüche — und welche Narrative Migration in städtischen Räumen begleiten.
Rassismus & Institutionelle Diskriminierung
Diskriminierung in Stadtplanung, Wohnungsvergabe, Polizeipraxis und Sozialbehörden: wie sie strukturell verankert ist und was das für Betroffene bedeutet.
Antiziganismus
Sinti und Roma in Duisburg: Geschichte, Diskriminierung, Selbstorganisation. In Kooperation mit dem Duisburger Sinti-Verein — Antiziganismus als eigenständige Form des Rassismus.
Task Force & Behördenlogiken
Wer entscheidet, welches Haus eine „Problemimmobilie“ ist? Wessen Interessen stehen hinter städtischen Instrumenten? Analyse behördlicher Praxis am Beispiel Hochfeld.
Widerstand & Solidarische Praxis
Quartiersarbeit, Selbstorganisation, Kultur als politisches Mittel: was es bedeutet, nicht nur zu analysieren, sondern zu handeln — und welche Formen kollektiver Gegenwehr entstehen.
Für wen sind die Führungen?
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Soziale Arbeit & Sozialpädagogik
Stadtteile nicht nur als Einsatzorte, sondern als politische Räume verstehen. Besonders relevant: Wohnungslosigkeit, Behördenpraxis, Community Work.
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Stadtforschung & Stadtplanung
Urban Studies, Stadtgeographie oder Raumplanung — was Theorie am konkreten Ort bedeutet.
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Geographie & Raumwissenschaften
Segregation, Raumproduktion, Gentrifizierung, postindustrielle Stadtlandschaften — Hochfeld als Fallstudie für Lehrveranstaltungen und Forschungsexkursionen.
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Sozial- & Politikwissenschaften
Wohnungspolitik, Migrationspolitik, Diskriminierungsforschung — der Stadtteil als empirisches Labor für gesellschaftliche Machtstrukturen.
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Ethnologie & Kulturwissenschaften
Urbane Ethnographie, Alltagskultur, Minderheitenforschung: Hochfeld als Ort gelebter Diversität und struktureller Ungleichheit.
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Pädagogik, Lehramt & Schulklassen
Politische Bildung vor Ort: Was bedeuten Begriffe wie Armut, Migration, Diskriminierung — nicht im Lehrbuch, sondern im Stadtbild?
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NGOs, Initiativen & Fachöffentlichkeiten
Für Organisationen, die sich mit Wohnrecht, Migration, Antidiskriminierung oder Stadtentwicklung beschäftigen.
Ein Wort zur Haltung
Wir bieten keine „neutralen“ Stadtführungen an. Neutralität ist eine Fiktion — besonders in einem Stadtteil, in dem täglich über Wohnrecht, Bleiberecht und Würde verhandelt wird.
Unsere Perspektive ist die der Menschen, die hier leben, arbeiten und kämpfen. Das bedeutet, dass wir klar benennen, wer von welchen Verhältnissen profitiert und wer die Kosten trägt.
Akademische Gruppen sind willkommen — aber wir erwarten auch eine Auseinandersetzung damit, welche Rolle Forschung und Lehre in der Reproduktion oder Transformation dieser Verhältnisse spielen.
Wir sind kein Anschauungsobjekt. Wir sind Akteur*innen.
Format & Ablauf
Die Führungen sind modular und gruppenspezifisch — kein Standardprogramm. Wir besprechen vorab Schwerpunkte und passen Länge, Tiefe und Sprache an eure Gruppe an.
2–3 Stunden
Zu Fuß, mit Pausen. Auf Anfrage auch halbtägige Formate mit Diskussionsblock im ZK Hochfeld möglich.
ErweiterbarAb 8 Personen
Geeignet für Seminare, Exkursionen, Forschungsgruppen. Max. ~25 Personen pro Führung.
Auf AnfrageDeutsch
Englischsprachige Führungen nach Absprache und Verfügbarkeit möglich. Bitte bei Anfrage angeben.
Auch EnglischSoli-Preis
Wer kann, zahlt — wer nicht kann, auch. Aufwandsentschädigung erbeten. Für Hochschulen: faire Vergütung einplanen.
Nach AbspracheLesematerial
Literaturlisten, Hintergrundmaterial und Pressedokumentationen auf Wunsch. Kurzes Vorgespräch zur Abstimmung inklusive.
Auf AnfrageDiskussion
Auf Wunsch moderierte Diskussionsrunde im ZK Hochfeld — mit Vertreter*innen des Vereins oder Kooperationspartner*innen.
EmpfohlenKein Poverty Tourism.
Stadtteilführungen in sozial belasteten Quartieren tragen ein Risiko: sie können
Menschen und Orte zum Anschauungsobjekt machen — zum Ausflugsziel
für diejenigen, die danach wieder nach Hause fahren. Das wollen wir nicht.
Deshalb gestalten wir die Führungen als politische Bildungsarbeit,
nicht als Sozialreportage. Wir sprechen über Strukturen, nicht über Einzelschicksale.
Wir benennen Verantwortlichkeiten, statt Betroffene zu exponieren.
Und wir fragen: Was tut ihr damit — in eurer Forschung, eurer Praxis, eurer Organisation?
Führung anfragen
Schreibt uns einfach — mit Infos zur Gruppe, zum gewünschten Zeitraum und zu euren inhaltlichen Schwerpunkten. Wir melden uns zeitnah zurück.
Für Lehrveranstaltungen: Wir sind auch offen für längerfristige Kooperationen, zum Beispiel als Praxispartner für Forschungs- oder Lehrforschungsprojekte an Hochschulen.
Musfeldstr. 110 · 47053 Duisburg
